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Gute Branche, schlechte Branche

Creditreform Magazin, 11.01.2011


Unsere Bankenumfrage hat es bestätigt: Gerade bei Mittelbetrieben könnte die Kreditvergabe künftig restriktiver erfolgen als bisher. Und unser Praxisfall zeigt: Manche Branchen könnte es heftiger treffen als andere.

Bruno S. ist als langjähriger Inhaber eines Restaurants in einer westdeutschen Großstadt seit Jahren daran gewöhnt, dass sowohl seine Hausbank als auch zwei weitere Kreditinstitute, mit denen er zusammenarbeitet, der Gastronomiebranche eher skeptisch gegenüberstehen. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass kurzfristige Kontoüberziehungen ebenso ungern gesehen werden wie Darlehen zur Finanzierung der Betriebsausstattung ohne erstklassige Kreditsicherheiten. Hinzu kommt eine - aus Sicht von S. - "äußerst restriktive und übertrieben genaue" Kreditüberwachung durch den zuständigen Mitarbeiter seiner Hausbank, der bereits bei geringen Umsatzrückgängen telefonisch nach den Gründen fragt. Immerhin gilt aber auch, dass sich S. trotz dieser häufig unangenehmen Situationen im Ergebnis auf diese Bank verlassen konnte. Wesentliche Voraussetzung dazu waren zwar stets eine überdurchschnittlich lange Bearbeitungszeit sowie aus seiner Sicht immer wiederkehrende und fast schon penetrante Fragen vor allem nach der betriebswirtschaftlichen Entwicklung sowohl seines Betriebes als auch der Branche insgesamt. Eine Kreditablehnung musste S. bisher aber noch nicht hinnehmen.

Bankzentrale legt Veto ein

So war er auch optimistisch, als er dieser Bank gemeinsam mit seinem Steuerberater vor einigen Wochen ein umfangreiches Konzept zum Erwerb eines weiteren Restaurants präsentierte. Neben den üblichen Prognoseberechnungen im Hinblick auf Umsatz- und Ertragsentwicklungen und einer ausführlichen Standortanalyse lieferte S. eine ebenfalls sorgfältig und kaufmännisch vorsichtig durchgeführte Ermittlung seiner zukünftigen Einnahme- und Ausgabesituation. Dies alles schien den Bankmitarbeiter seiner Hausbank derart zu überzeugen, dass er bereits nach rund einer Woche dem Steuerberater von S. signalisierte, dass dem Kreditwunsch aus seiner Sicht "ohne Weiteres" entsprochen werden könne. Da das gesamte Kreditengagement von S. durch dieses zusätzliche Darlehen jedoch die Genehmigungsgrenze der für S. zuständigen Filiale überschreiten würde, müsse der Antrag noch von der Zentrale geprüft werden.

Deren Entscheidung liegt nun vor und entspricht keineswegs der optimistischen Einschätzung des Filialmitarbeiters vor Ort. Eine weiteres Darlehen kann danach, wenn überhaupt, nur gewährt werden, wenn S. eine zusätzliche Sicherheit in Form einer erstrangigen Grundschuld bereitstellt (was dieser gerade vermeiden wollte und dies auch seinem Gesprächspartner frühzeitig mitgeteilt hatte) und darüber hinaus seine Prognoserechnungen vollständig überarbeitet, weil die dortigen Zahlen nach Einschätzung des Kreditsachbearbeiters "offensichtlich zu optimistisch" kalkuliert sind. Wie er konkret zu dieser Einschätzung kommt und vor allem, aus welchem Grund er vom Prüfungsergebnis seines Filialkollegen derart deutlich abweicht, dazu gab es keine offizielle Erklärung.

Über einen Kamm geschoren

S. gab sich mit dieser lapidaren Erklärung nicht zufrieden. In einem ausführlichen Gespräch, dass er erneut mit seinem Steuerberater und dem Filialmitarbeiter zwischenzeitlich führte, machte er nochmals deutlich, dass die Grundlage der Datenermittlung wie zukünftige Umsätze, Erträge und Wachstumsprognosen nicht nur auf die bisherigen Zahlen des zu übernehmenden Restaurants zurückgehen, sondern auch auf offiziell verfügbares Material des zuständigen Branchenverbandes. Er hat, dies machte S. ebenfalls ohne Umschweife klar, "erhebliche Zweifel" an der Datenquelle der Bankzentrale. Außerdem, und hier traf er einen sprichwörtlichen "wunden Punkt" bei seinem Gesprächspartner, wäre es ja wohl mehr als ungewöhnlich, dass es so einfach sei, ein vom gleichen Bankinstitut bereits sorgfältig geprüftes Konzept in dieser Form nicht zu akzeptieren. "Da könne man doch gleich die Filiale übergehen und sich direkt an die Zentrale wenden", wurde S. auch hier deutlich.

Diese bewusste Provokation zeigte Wirkung, da es seinem Gesprächspartner offensichtlich sehr peinlich war, diese Kreditentscheidung dem Kunden zu übermitteln. Er ließ sich daher zu einer bemerkenswerten Aussage hinreißen. So sei die Kreditablehnung nach seiner Überzeugung vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Bank "grundsätzlich Probleme damit hat, Gastronomiebetriebe Kredite ab einer bestimmten Größenordnung überhaupt noch zur Verfügung zu stellen".

Individuell bewerten

Diese Offenheit überraschte S. nun doch, hatte er die Gründe für den ablehnenden Bescheid bisher doch mehr in der Belastbarkeit seiner wirtschaftlichen Zahlen gesehen. Dass seine ganze Branche als offensichtlich "äußerst kritisch" eingestuft wird, hat er sich eigentlich nicht vorstellen können. Gleichwohl wird er nun reagieren und seinen Kreditwunsch auch mit den beiden anderen Banken bereden, mit denen er ebenfalls seit Jahren zusammenarbeitet. Bei den dazu erforderlichen Gesprächen wird er neben seinem Steuerberater aber noch von einem Mitarbeiter seines Verbandes begleitet, der neben der Branche nicht nur den Betrieb von S., sondern auch das Restaurant kennt, an dem S. trotz dieses Missgeschicks mit seiner Hausbank nach wie vor stark interessiert ist. Im Ergebnis bleibt bei S. naturgemäß mehr als ein "fader Beigeschmack" bestehen. Selbst in auch für Bankinstitute wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es nach seiner Überzeugung nicht in Ordnung, wenn Branchengesichtspunkte, so ernst diese von potenziellen Kreditgebern auch genommen werden müssen, mehr Gewicht bekommen als konkrete und belastbare Zahlen von verantwortungsbewussten Unternehmern

Autor: Michael Vetter

Check-Liste: So heben Sie sich aus Ihrer Branche hervor

  • Da sich die Anzeichen mehren, dass Bankinstitute tatsächlich bestimmte Branchen als "insgesamt kritisch" ansehen, sollten Betriebsverantwortliche diesen Gesichtspunkt in Kreditgesprächen thematisieren;
  • Dazu sollte klar hinterfragt werden, in welchem Umfang Branchenzahlen bei der Kreditprüfung herangezogen werden - und aus welchen Quellen (Stichwort: Aktualität der Daten und deren Pflege) dies geschieht;
  • Darüber hinaus kann es hilfreich sein, den jeweiligen Gesprächspartner ausdrücklich darum zu bitten, vor allem die individuelle Situation des Betriebes, die sich durchaus erheblich von der allgemeinen Situation seiner Branche unterscheiden kann, zu beurteilen. Immerhin besteht zumindest die Gefahr, bankseitig mit einer möglicherweise schwierigen Branche "in einen Topf" geworfen zu werden;
  • Um ein eventuell negatives Branchenbild zu relativieren, kann es ratsam sein, aktuelle und aussagefähige Zahlen und weitere Fakten etwa von Verbänden oder Kammern zusammenzustellen und diese, je nach Bedarf, durch Hinzuziehen eines dort tätigen Mitarbeiters bei Bankgesprächen konkretisieren zu lassen.



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