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In der Liquiditätsklemme

Die Ertragsprobleme, verursacht vor allem durch sinkende Umsätze und hohe Kreditzinsen, nimmt bei mittelständischen Unternehmen offensichtlich zu. Ein Beispiel.

Die ursprüngliche Zinsstrategie von Sebastian R. als Inhaber eines mittelständischen Unternehmens scheint nicht mehr aufzugehen. Dabei fühlt er sich nach wie vor in seiner Entscheidung gestärkt, vor etwa einem Jahr zwei betriebliche Darlehen über insgesamt fast 200.000 Euro mit einem variablen Zinssatz auszustatten und nicht, wie bei fast allen anderen Darlehen in den Vorjahren, mit einem Festzins. Hinzu kommt der Überziehungskredit von 60.000 Euro, der naturgemäß ebenfalls variabel verzinst wird. R. ging davon aus, dass sich auf Grund der von ihm bereits damals erwarteten allgemeinen Zinssenkungen auch seine eigenen Kreditzinsen verringern würden. Im Verlauf der folgenden Monate wurde er durch die Finanz- und Wirtschaftskrise in seiner Entscheidung bestätigt. Die wichtigsten Notenbanken setzten bekanntlich nahezu weltweit eine Zinssenkungsspirale in Gang, um auch auf diesem Wege eine zumindest ansatzweise Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation zu erreichen.

R. ging nach den damit verbundenen Zinsschritten zunächst davon aus, dass mit diesen Maßnahmen ebenfalls Zinssenkungen bei seinen eigenen Darlehen und bei seinem Überziehungskredit verbunden sein werden. Passiert ist bis zum heutigen Zeitpunkt allerdings nichts. Seine Hausbank hat weder bei den Darlehen noch beim Überziehungskredit entsprechende Reduzierungen der Kreditzinssätze vollzogen.

R. gerät nun allmählich in ernsthafte Liquiditätsprobleme. Die Finanzkrise hat nämlich auch in seinem Betrieb mit derzeitigen Umsatzrückgängen von mehr als zwanzig Prozent innerhalb des letzten halben Jahres längst Auswirkungen gezeigt. Vor diesem Hintergrund suchte R. vor einigen Wochen ein Gespräch mit dem für ihn zuständigen Bankmitarbeiter, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen. So bat er vor allem um eine Erklärung für die zögerliche Haltung seiner Bank, allgemeine Zinssenkungen an ihn weiterzugeben. Immerhin, so argumentierte R., haben sich damit auch die Refinanzierungskosten des Kreditinstitutes verringert. Der Bankmitarbeiter argumentierte seinerseits mit den für R. "bereits geltenden günstigen Zinssätzen". Darüber hinaus legte er Wert auf die Feststellung, dass seine Bank "sich längst nicht nur durch zugegeben preiswertes Zentralbankgeld refinanziert". In diesem Zusammenhang wurde auch die Kreditwürdigkeit von R. erwähnt, die in seinen jeweiligen Zinssätzen auch zutreffend zum Ausdruck kommt.

Check-Liste: So verhandeln Sie richtig

  1. Die immer wiederkehrende Diskussion der unmittelbaren Weitergabe allgemeiner Zinssenkungen an Kreditnehmer kann in einer wirtschaftlichen schwierigen Situation wie in der aktuellen Finanzkrise eine gefährliche Dynamik innerhalb der Kunde-Bank-Beziehung entwickeln. Es ist daher sowohl Unternehmern als auch Banken zu empfehlen, ihre jeweiligen Standpunkte dem Geschäftspartner gegenüber darzustellen und zu begründen.

  2. Dazu gehört bankseitig eine Erläuterung der Position gegenüber dem Kreditkunden im Hinblick auf die Ermittlung der ihm berechneten variablen Kreditzinsen.

  3. Die dabei üblichen Faktoren wie Kreditwürdigkeit, Qualität der Sicherheiten und Refinanzierungskosten des Bankinstitutes sollten vom Unternehmer je nach Bedarf detailliert hinterfragt werden.

  4. Um zukünftige Missverständnisse und Irritationen zu vermeiden, kann es ratsam sein, die jeweilige Zinssatzentwicklung beispielsweise während der regelmäßigen Bilanzgespräche ebenfalls zu thematisieren.

Für R. waren diese Erklärungen, die aus Sicht seiner Bank durchaus plausibel erschienen, natürlich nicht befriedigend und er machte das auch deutlich. Er ärgerte sich vor allem darüber, dass er bei seiner seinerzeit getroffenen Entscheidung, variable Zinssätze zu wählen, keinerlei Widerspruch von seiner Bank erhielt. Zwar stimmte sie einerseits seiner Einschätzung fallender Zinssätze nicht ausdrücklich zu, andererseits hielt sie dem auch nichts entgegen. Hier hätte er sich mehr Engagement seines damaligen Gesprächspartners und vor allem mehr Beratungsqualität im Hinblick auf die Weitergabe von Zinsveränderungen gewünscht. Eine Beratungsqualität, die er während der vergangenen Jahre durchaus erhielt. Das galt vor allem für nahezu sämtliche Fragen in Verbindung mit seinen Krediten wie etwa der Hilfe bei der Beantragung öffentlicher Gelder oder den jeweiligen Besprechungen bezüglich seines betrieblichen Ratings.

Diese offen geäußerte Kritik zeigte Wirkung, da auch der Bankmitarbeiter offensichtlich an einer auch weiterhin verlässlichen Geschäftsverbindung interessiert war. So sagte er seinem Kunden zu, den Sachverhalt insgesamt nochmals zu prüfen und, sollte er zu einer anderen Einschätzung als bisher kommen, mögliche nachträgliche Zinssenkungen zumindest bei den Darlehen von R. in Erwägung zu ziehen. Um diese Prüfung zu erleichtern, wurde R. gebeten, aktuelle wirtschaftliche Zahlen einschließlich einer Rentabilitäts- und Liquiditätsvorausschau für das laufende Jahr von seinem Steuerberater anfertigen zu lassen und das seiner Bank kurzfristig zu Verfügung zu stellen. Möglicherweise ergibt sich hieraus trotz der zumindest derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation eine günstigere Prognose des Betriebes, die dann auch ein "erneutes Nachdenken über die bisherigen Kreditzinssätze ermöglichen würde".

R. sagte das natürlich zu und bat den Kundenberater allerdings auch ausdrücklich, sich nochmals den Anpassungsmechanismen bei allgemein fallenden Zinssätzen anzunehmen. Er ist nämlich nach wie vor der Überzeugung, dass seine Bank hier nachbessern sollte.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Michael Vetter



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