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Vergleichen spart Geld

Stromsparen per Mausklick – klingt einfach, doch gerade bei hohem Verbrauch in Unternehmen müssen detaillierte Angebote her. Wer sparen will, muss ein wenig Zeit investieren. Das kann sich aber kräftig lohnen.

Die Energieversorger haben keine Angst vor der Wirtschaftskrise. Denn auch wenn viele Industriekunden die Produktion zurückfahren, auf ihre Stromkosten hat das nur bedingt Einfluss. Denn Bereiche wie die IT oder die Beleuchtung werden trotzdem benötigt. Die Kunden der Energieversorgung drehen aber sehr wohl den Euro zweimal um. Deshalb sollten sie auch ihre Stromtarife prüfen. Das größte Verbraucherportal für Energie, Verivox.de, rechnet den 5,3 Millionen Gewerbekunden in Deutschland vor, dass sie 2009 durch einen bloßen Anbieterwechsel insgesamt 1,7 Milliarden Euro sparen können.

Stromfresser IT: So lässt sich sparen

Vor allem für Dienstleistungsunternehmen ist die Energieeffizienz von Bürogeräten ein wichtiger Kostenfaktor. Die Initiative EnergieEffizienz verweist auf Studien, die von einer Steigerung des Stromverbrauchs durch immer mehr Geräte um 35 Prozent von 2002 bis 2010 ausgehen. Wie man hier intelligent spart, zeigt die Initiative auf der Seite www.energieeffizienz-im-service.de. Ein Beispiel: Wenn in einem Bürogebäude mit 200 Arbeitsplätzen effiziente Monitore eingesetzt werden (zum gleichen Preis wie ineffiziente), lassen sich in drei Jahren 4.600 Euro Stromkosten sparen. Auch der ständige Wettlauf um höhere Übertragungsraten im Netz ist schlecht für die Energiebilanz: Das Magazin "Computerwoche "rät, von Kupferkabeln auf Glasfaser umzurüsten, da letztere weniger Strom verbrauchen. Pro Netzwerk-Port brauche die Glasfaser sieben Watt weniger als ein Kupferkabel-Anschluss.

Doch für Unternehmen ist die Suche nach dem besten Stromtarif meist nicht ganz so simpel wie für Privatverbraucher. "Unternehmen, die über einen Stromzähler abrechnen, können zwar genau wie Privatkunden die Kilowattstunden (kWh) pro Jahr und ihre Postleitzahl eingeben", erklärt Dr. Thorsten Storck, Pressereferent bei Verivox.de. Dann müssten sie einfach nur "Gewerbe" anklicken, und der günstigste Tarif würde angezeigt. "Ab 100.000 kWh pro Jahr wird es aber komplexer", so Storck. Denn dann werden nicht nur der Verbrauch, sondern auch die Leistungsspitzen erfasst, nach denen möglicherweise das Stromnetz eingestellt werden muss. "Der Stromanbieter prüft im Viertelstunden-Rhythmus, wie viel herausgezogen wird – je höher die Schwankung, desto teurer." Doch auch hier bietet Verivox Service: "Für Unternehmen, die uns detaillierte Angaben machen, holen wir Angebote ein. Wir übernehmen dabei die Rolle des ehrlichen Maklers, für Unternehmen ist das kostenlos."

Das Portal Verivox ist im September 2008 Testsieger der Stiftung Warentest geworden. Elf Stromtarifrechner wurden miteinander verglichen. Die Datenqualität, Benutzerfreundlichkeit und der Service wurden bei Verivox mit der Gesamtnote 1,1 bewertet. Zweitplatzierte ist tarifvergleich.de, mittlerweile unter dem Namen check24.de im Netz. Auch hier wird ab 100.000 kWh angeboten, "eine Anfrage über uns an den Verkäufer getenergy GmbH zu stellen, und so eine professionelle Ausschreibung zu initiieren", erklärt Daniel Friedhelm, Head of Public Relation bei Check24. Gewerbekunden unter 100.000 kWh könnten über die einfache Suchmaske gehen. "Unsere Kunden sind aber zu 95 Prozent Privat- und zu 5 Prozent Gewerbekunden."

Das könnte sich bald ändern. Bei Verivox beobachtet man, dass "mittlerweile auch bei kleinen und mittleren Unternehmen das Bewusstsein für Energiekosten steigt", so Thomas Storck. Und Daniel Giel, der als Geschäftsführer der Firma NetSinn auch das Portal www.energiekosten-unternehmen.de betreibt, meint: "Die Summe vieler kleiner Maßnahmen macht das Stromsparen interessant. Der Schreiner, der von der Ersparnis die Leasinggebühr für die neue Säge bezahlt oder der Transporteur, der zwei Auflieger davon finanzieren kann, sind praktische Beispiele."

"Stromkosten sind alles andere als fix"

Daniel Giel, Geschäftsführer des Unternehmens NetSinn, über den Charme des Stromsparens.

Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihren Beratungen gemacht: Ist das Einsparpotenzial beim Stromverbrauch in Unternehmen groß?
Fragt man in Unternehmen nach den laufenden Stromkosten, müssen diese oft erst nachgeschlagen werden. Sie fristen als gefühlte Fixkosten ein Nischendasein. Tatsächlich sind Stromkosten aber alles andere als fix. Das kurzfristige Einsparpotential liegt häufig über 20 Prozent. Der Charme des Stromsparens liegt in seinem Aufwand: Der ist zum einen äußerst gering bis vernachlässigbar und zum anderen trägt er sofort Früchte. Wenn ein Unternehmen an einem Vormittag im Sommer beschließt die Klimaanlage ein Grad wärmer zu stellen, hat es bis zum Abend bereits echtes Geld eingespart.

Können Sie klassische Einsparmöglichkeiten beim Stromverbrauch in Unternehmen nennen, vor allem in KMU?
Computer und Netzwerkkomponenten vom Stromnetz trennen, wenn sie nicht gebraucht werden: Wenn im kleinen oder mittleren Unternehmen an 200 Arbeitstagen gearbeitet wird, und das vorrangig tagsüber, können Sie sich den Strom für den Suspend-Modus von Computern und Netzwerkkomponenten wie Router abends, nachts und am Wochenende sparen. Auch das Blinken der Hubs kostet Strom und damit Geld – also aufs Blinken bei Nichtgebrauch verzichten.

Welchen Eindruck haben Sie: Hat sich das Bewusstsein für die Kosten beim Energieverbrauch schon gewandelt?
Spätestens im abgelaufenen Jahr mit seinen historisch hohen Ölpreisen wurden viele Unternehmer für das Thema Energieeffizienz sensibilisiert. Sowohl aus Kostengesichtspunkten wie auch aus Umweltschutzaspekten haben viele Unternehmen ihren Energiebedarf kritisch unter die Lupe nehmen lassen. Vor einigen Wochen berichtete ein Unternehmer von einem seiner Kunden, der die Nase rümpfte, als er herkömmliche Glühbirnen in der Deckenbeleuchtung vorfand: Ob der Unternehmer denn schon einmal etwas vom Treibhauseffekt gehört hätte und ob die hohen Stromkosten auch in seinen Preis einfließen würden. Eine solche Szene war vor wenigen Jahren sicherlich noch undenkbar.

Die Fragen stellte Christina Kiesewetter

Doch die Probe aufs Exempel bei den Vergleichsportalen zeigt: Es braucht mehr als ein paar Klicks, um die richtige Wahl zu treffen. Beispiel: 50.000 kWh in München (Postleitzahl 80333). Wer nur diese beiden Grunddaten eingibt, erhält zwar bei den vier von Stiftung Warentest empfohlenen Portalen denselben günstigsten Anbieter. Drei zeigen auch denselben Tarif als günstigsten an. Aber die errechnete Ersparnis schwankt dennoch zwischen 1255,06 und 2023,30 Euro.

Noch komplizierter wird das Ganze, wenn Unternehmen den Einmalbonus herausrechnen wollen oder nur Angebote sehen möchten, die keine Vorauskasse verlangen. Das lässt sich nicht auf allen Seiten per Mausklick aussortieren, und so landet der Verbraucher letztlich bei einer persönlichen Vergleichsliste, für die Stromspar-Portale nur die erste Basis sind.

Auch die Stiftung Warentest empfiehlt, mehrere Stromtarifrechner zu nutzen und die Angebote zu vergleichen. Danach sollten Verbraucher sich die günstigsten Tarife aussuchen, direkt auf die Webseite des Anbieters gehen und dort ein Angebot einholen. Für ausgefüllte Formulare auf den Seiten der Stromtarifrechner erhalten die Betreiber Provision. Aber "für den Kunden hat das keinen Vorteil", so die Stiftung Warentest.

Unternehmen, die mehr als 100.000 kWh verbrauchen, müssen sowieso auf detaillierte Angebote warten. "Hier gilt: Je genauer die Angaben, desto glaubwürdiger sind die Angebote", sagt Gerd Marx, Leiter Energieberatung bei der Energieagentur NRW. "Unternehmen sollten auch über Gründungsgemeinschaften mit benachbarten Firmen nachdenken", so der Experte. "Denn bei größeren Mengen werden die Bezugskonditionen günstiger."

Und bei all dem Für und Wider zeigt sich: Stromtarifrechner im Internet machen Unternehmen den ersten Überblick leichter. Welcher Tarif aber der beste für den eigenen Bedarf ist, muss immer individuell entschieden werden. Da hilft keine Technik, sondern nur unternehmerischer Grips und ein wenig Zeit. Doch wer würde sich die nicht nehmen, wenn er so schmerzlos Geld sparen kann?

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Christina Kiesewetter



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