|
Startseite
Info-Center
Fachartikel & Checklisten
Wirtschaftsinformationen
Debitorenregister - Das Zahlungsverhalten der Kunden im Blick
Debitorenregister - Das Zahlungsverhalten der Kunden im Blick
Creditreform Unternehmermagazin
Creditreform, 07.06.2011
Auch im Aufschwung: Zahlungsverhalten der Kunden liefert wichtige Informationen für das Kreditrisikomanagement
Einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Liquiditätssituation von Unternehmen ist das Zahlungsverhalten der Kunden. Für Gläubiger-Unternehmen gilt es hier, Ausfallrisiken durch pro-aktives Handeln zu identifizieren und zu minimieren. Ist der Zahlungsverzug eingetreten, ist es häufig zu spät. Die Liquidität nimmt Schaden, wodurch auch die eigenen Zahlungsverpflichtungen in Mitleidenschaft gezogen werden können. Denn: zahlt ein Schuldner nicht oder nur schleppend, droht der Erbringer einer Leistung in
einer anderen Geschäftstransaktion selbst in Zahlungsrückstand zu geraten. Insbesondere für Unternehmen, die mit hohen Zahlungsausfällen zu kämpfen haben, engt sich zudem der Finanzierungsspielraum ein. So gerät ein Teufelskreis in Gang, der im schlimmsten Fall von erlittenen Zahlungsverzögerungen über Liquiditätsengpässe und Finanzierungsschwierigkeiten bis hin zur eigenen Insolvenz eskalieren kann. Die Unternehmen sollten daher aktiv werden, bevor die eigene Liquiditätssituation durch das schlechte Zahlungsverhalten
der Kunden unter Druck gerät. Zu den geeigneten Maßnahmen zählt die Beschaffung aussagekräftiger Informationen, um das Zahlungsverhalten eines Kunden schon vor dem Geschäftsabschluss beurteilen zu können.
Creditreform erfasst die Zahlungserfahrungen, die deutsche Unternehmen mit ihren Geschäftspartnern gemacht haben, im Debitorenregister Deutschland (DRD). Der Pool stellt einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung von Liquiditätsproblemen bei Schuldnern dar, weil er Veränderungen im Zahlungsverhalten identifiziert. Damit eignet sich DRD zur Prognose des Insolvenzrisikos eines Kunden. Der Umfang des Pools wächst monatlich um durchschnittlich 3,5 Millionen aktuelle Zahlungserfahrungen zu mittlerweile 2 Millionen
Unternehmen.

Abb.: Der DRD-Pool liefert Frühwarninformationen |
Reales Fallbeispiel: Entwicklung des Zahlungsverhaltens eines Debitors im DRD-Pool
Auswertungen zeigen, dass sich die konjunkturelle Erholung mittlerweile auch an der Entwicklung des Zahlungsverhaltens ablesen lässt. So wurden zur Jahresmitte 2010 Rechnungen im Schnitt mehr als einen Tag schneller bezahlt als noch ein Jahr zuvor. Auf dem Höhepunkt der durch Zahlungsverzögerungen und Forderungsausfällen geprägten Rezession betrug der Zahlungsverzug Mitte des Jahres 2009 knapp 14 Tage. Das heißt, der Gläubiger musste nach Verstreichen des vereinbarten Zahlungsziels weitere zwei Wochen auf
sein Geld warten. Und mit jedem weiteren Tag erhöht sich das Risiko eines Totalausfalls. In den zurückliegenden Monaten lassen sich nur noch geringe Veränderungen beim Zahlungsverhalten der Unternehmen feststellen. So lag der mittlere Zahlungsverzug im vierten Quartal 2010 bei 12,23 Tagen, nachdem im Quartal zuvor 12,08 Tage gemessen wurden. Je nach Branche zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede im Zahlungsverhalten.
Wo drohen weiterhin Zahlungsverzögerungen?
Trotz der leichten Entspannung beim Zahlungsverhalten gibt es für Risikomanager in Unternehmen keine Entwarnung. Strukturelle Probleme wie Eigenkapitalschwäche und eine hohe Wettbewerbsintensität bereiten den Unternehmen in etlichen Branchen weiterhin Schwierigkeiten. Als Folge lässt sich eine erhöhte Insolvenzgefahr für die Unternehmen der betroffenen Branchen erkennen. Parallel dazu bleibt für Geschäftspartner dieser Unternehmen die Wahrscheinlichkeit hoch, Zahlungsverzögerungen zu erleiden. Im Gastgewerbe
ist das Ausfallrisiko mit 8,95 Prozent am höchsten, im Baugewerbe liegt es bei 4,68 Prozent. Ähnlich hoch ist das Insolvenzrisiko im Bereich der konsumnahen Dienstleistungen. Unter den zehn am meisten gefährdeten Wirtschaftszweigen finden sich auch der Transport- und Logistiksektor, der Konsumgüterbereich und der Einzelhandel.
Wer zahlt wie?
Durch die Beobachtung des Zahlungsverhaltens der Kunden kann jeder aktive DRD-Teilnehmer profitieren, da der Pool auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit basiert. Nach dem Motto "Wer zahlt wie?" stellt Creditreform seinen Kunden mit DRD somit einen kostenlosen Datenpool zum systematischen und anonymen Austausch von Zahlungserfahrungen zur Verfügung. Eine Zahlungserfahrung wird dabei durch einen eindeutigen Buchhaltungsbeleg und dessen kennzeichnende Daten definiert (Buchungsdatum, Betrag, Fälligkeitsdatum,
Ausgleichsdatum u. a.). Jeder Teilnehmer stellt seine Zahlungserfahrungen mit den eigenen Debitoren wöchentlich, 14-tägig oder monatlich in den Pool ein und erhält regelmäßig eine kostenfreie Auswertung, wie seine Kunden im Durchschnitt bei anderen Lieferanten bezahlen. Unternehmen können so Veränderungen im Zahlungsverhalten bis hin zu drohenden Insolvenzen einzelner Debitoren in ihrer Entwicklung genauer erkennen und ihre Kreditrisikosteuerung entsprechend anpassen. Im Ergebnis können Forderungsausfälle vermieden
werden. Zu jedem Debitor, der im Pool mit ausreichend Lieferanteninformationen gemeldet ist, werden Daten zurückgeliefert.
Anbindung an den Pool
Für die von Creditreform begleitete Anbindung an den Zahlungserfahrungspool stehen interessierten Unternehmen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Grundsätzlich gilt, dass jedes Unternehmen – unabhängig von technischen Voraussetzungen wie bestimmten ERP- oder IT-Systemen – Zahlungserfahrungen in den Pool einliefern kann. Die Integration in vorhandene Systeme wie die Creditreform eigenen Plattformen CrefoSystem und CrefoScore eröffnet vielfältige Auswertungsmöglichkeiten. Hier sind etwa Soll-Ist-Vergleiche
zwischen den eigenen – im Kreditrisikomanagement-System vorliegenden – Daten und den Pooldaten aus dem DRD zu nennen. Verschlechtert sich das Zahlungsverhalten eines Kunden auf Basis der externen DRD-Daten erheblich stärker als auf Basis der rein internen Zahlungserfahrungen, kommt dem DRD aufgrund der identifizierten negativen Entwicklung eine Frühwarnfunktion zu. Gleichzeitig kann das Debitorenregister Deutschland als Instrument im Chancenmanagement eingesetzt werden. Dazu identifiziert es die Debitoren im
Kundenstamm, denen aufgrund eines dauerhaft guten Zahlungsverhaltens bzw. einer positiven Entwicklung ein höheres Limit oder Sonderkonditionen für den gezielten Ausbau der Geschäftsbeziehung eingeräumt werden können.
Neben den Auswertungsschnittstellen CrefoSystem und CrefoScore haben interessierte Unternehmen über eine Vielzahl weiterer existierender Schnittstellen für die DRD-Anbindung die Möglichkeit, die Daten einzuliefern und entsprechend zu verarbeiten. Zu nennen sind hier etwa Schnittstellen zu Microsoft Dynamics Nav, DeBiTex, CAM-Software, SHC, ProAlpha und Perfacto. Hinzu kommen reine Exportschnittstellen zu Systemen wie HS-Fibu und Allgeier.
Nutzen steigt mit steigenden Einlieferzahlen
Der Nutzen des DRD-Pools steigt für alle Teilnehmer mit der Anzahl der teilnehmenden Unternehmen und damit mit der für die Analyse zur Verfügung stehenden Informationsmenge. Die Teilnahme am Debitorenregister Deutschland ist anonym und rechtskonform. Alle Teilnehmerdaten werden gemäß den Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes anonymisiert verarbeitet und ausschließlich für den erklärten Zweck verwendet.
Kontaktdaten
Verband der Vereine Creditreform e.V.
Janine Stappen
Hellersbergstr. 12
D - 41460 Neuss
Tel.: + 49 (0) 21 31 / 1 09 – 51 05
j.stappen@verband.creditreform.de
|