SchuldnerAtlas 2010: Überschuldete Privatpersonen in Berlin und Brandenburg
Regionale Wirtschaftsforschung
Wieder mehr überschuldete Personen in Berlin
Berlin, 11. November 2010 – Zum Stichtag 1. Oktober 2010 wies Berlin eine Schuldnerquote von 12,67 Prozent der erwachsenen Bevölkerung auf (2009: 12,16 Prozent). Damit gelten 372.800 Berliner als überschuldet (2009: 355.200).
Der Anstieg der privaten Überschuldungsquote um 0,51 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr liegt über dem bundesdeutschen Trend. Deutschlandweit sind 9,50 Prozent der Personen über 18 Jahre überschuldet,
nachdem die Schuldnerquote 2009 noch bei 9,09 Prozent lag. Im Ranking der 16 Bundesländer weist Berlin hinter Bremen den höchsten Anteil überschuldeter Personen in der Bevölkerung auf.
Blick auf die Stadtbezirke zeigt große Unterschiede
Die Schuldnerquoten weisen in Ballungsräumen wie Berlin weiterhin (meist deutlich) höhere Werte auf als in ländlichen Regionen. Dennoch gibt es innerhalb des Stadtgebietes eine große Spreizung der Schuldnerquoten. Unter den Berliner Stadtbezirken verzeichnet der Wedding den stärksten Anstieg der privaten Überschuldung. Nachdem die Schuldnerquote 2009 noch
bei 19,32 Prozent lag, wurden in diesem Jahr 20,59 Prozent erreicht – ein Anstieg um 1,27 Prozentpunkte. Damit ist der Wedding negativer Spitzenreiter unter den Berliner Bezirken. Die zweithöchste Schuldnerquote verzeichnet Neukölln mit 18,28 Prozent (2009: 17,46 Prozent), vor Tiergarten mit 16,92 Prozent (2009: 16,39 Prozent).
Einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Überschuldung weisen zudem die Stadtbezirke Spandau (2010: 13,55 Prozent; +0,91 Prozentpunkte) und Neukölln (2010: 18,28 Prozent; +0,82 Prozentpunkte) auf.
Die wenigsten überschuldeten Personen leben in Zehlendorf (Schuldnerquote 2010: 7,13 Prozent; 2009: 6,80 Prozent) gefolgt von Steglitz (2010: 8,71 Prozent; 2009: 8,24 Prozent) und Köpenick (2010: Prozent; 2009: 8,41 Prozent). In drei Stadtbezirken gingen die Schuldnerquoten gegenüber 2009 zurück: Neben Kreuzberg (2010: 14,51
Prozent; -0,23 Prozentpunkte) und Friedrichshain (2010: 12,07 Prozent; -0,07 Prozentpunkte) war das außerdem im Stadtteil Prenzlauer Berg (2010: 9,48 Prozent; -0,02 Prozentpunkte) der Fall. Im Vergleich der östlichen und westlichen Stadtgebiete weist der Osten Berlins mittlerweile geringere Schuldnerquoten auf.
Schuldnerquote in Brandenburg leicht angestiegen
Berlin, 11. November 2010 – Zum Stichtag 1. Oktober 2010 wies Brandenburg eine Schuldnerquote von 9,59 Prozent der erwachsenen Bevölkerung auf (2009: 9,31 Prozent). Damit gelten rund 210.000 Personen als überschuldet (2009: 200.000).
Der Anstieg der privaten Überschuldungsquote um 0,28 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr liegt unter dem bundesdeutschen Trend. Im Ranking der 16 Bundesländer verdrängt Brandenburg Rheinland Pfalz und belegt mit der zweitgeringsten Steigerung erstmals Rang sechs.
Blick auf die Landkreise zeigt große Unterschiede
Die Schuldnerquoten weisen in ländlichen Regionen wie Brandenburg (meist deutlich) geringere Werte auf als in Kernstädten und Ballungszentren. Dennoch gibt es innerhalb der einzelnen Landkreise eine deutliche Spreizung der Schuldnerquoten. Unter den Brandenburger Landkreisen und kreisfreien Städten weist Brandenburg
an der Havel den stärksten Anstieg der Überschuldung auf. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich die Schuldnerquote um 0,66 Prozentpunkte auf 14,99 Prozent (Vorjahr: 14,33 Prozent). Die zweithöchste Schuldnerquote verzeichnet Frankfurt/Oder mit 12,59 Prozent (2009: 12,50 Prozent), vor Ostprignitz-Ruppin
mit 10,94 Prozent (2009: 10,44 Prozent). Einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Überschuldung weist zudem der Landkreis Oberhavel (2010: 9,95 Prozent; +0,46 Prozentpunkte) auf.
Die wenigsten überschuldeten Personen leben in Potsdam-Mittelmark (Schuldnerquote 2010: 7,76 Prozent; 2009: 7,52 Prozent) gefolgt von Elbe-Elster (2010: 8,19 Prozent; 2009: 7,79 Prozent) und Oberspreewald-Lausitz (2010: 8,28 Prozent; 2009: 7,93 Prozent). Am geringsten
stieg die Schuldnerquote im Kreis Barnim mit 0,08 Prozent (2010: 9,64 Prozent)
Ausblick: Überschuldung auf dem Vormarsch
Der Anstieg der Überschuldung von Privatpersonen in Berlin und Brandenburg und in Deutschland insgesamt war teilweise noch Ausdruck der schweren Rezession, die die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent drückte. Durch den zeitweise schwachen Arbeitsmarkt und Einkommenseinbußen
war die Krise bei den Verbrauchern angekommen. Arbeitslosigkeit gilt neben Trennung vom Partner und Krankheit als Überschuldungsauslöser Nr. 1. Mit zunehmenden Zeichen der konjunkturellen Erholung wich bei den Konsumenten aber die Kaufzurückhaltung angesichts der eigenen unsicheren wirtschaftlichen Zukunft. Es wurden wieder vermehrt Kreditverpflichtungen
zum Kauf von Konsumgütern eingegangen, die bei einem Nachlassen der Wachstumsdynamik Risiken für neuerliche Überschuldungsprozesse bergen.
Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz:
Die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.