SchuldnerAtlas 2011: Überschuldete Privatpersonen in Berlin und Brandenburg
Regionale Wirtschaftsforschung
Weniger Berliner überschuldet –Rückgang deutlicher als im Bundesdurchschnitt
Berlin, 22. November 2011 – Zum Stichtag 1. Oktober 2011 waren rund 363.000 Berliner über
18 Jahre überschuldet. Das entspricht 12,32 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (2010: 12,67
Prozent). Nach dem diesjährigen Creditreform SchuldnerAtlas, dessen Ergebnisse jetzt auch für das
Land Berlin vorliegen, hat sich die Zahl der überschuldeten Privatpersonen in der Bundeshauptstadt
gegenüber 2010 um 2,5 Prozent (rund 9.500 Personen) verringert und damit stärker als in Deutschland (minus 1,2 Prozent).
Bundesweit sind 9,38 Prozent der Personen über 18 Jahre überschuldet, nachdem die Schuldnerquote 2010 noch bei 9,50 Prozent lag. Im Ranking der 16 Bundesländer weist Berlin hinter Bremen
weiter den höchsten Anteil überschuldeten Personen an der Bevölkerung auf.
Positiv auf die Verschuldungssituation der Verbraucher hat sich die gute Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung der letzten zwölf Monate ausgewirkt. Durch die Aufnahme einer Erwerbsarbeit konnten
überschuldete Personen ihrem Schuldendienst wieder nachkommen und Verbindlichkeiten abbauen.
Der Creditreform SchuldnerAtlas zeigt, wie sich die Überschuldung privater Verbraucher innerhalb
Deutschlands kleinräumig verteilt. Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz: Die zu leistenden monatlichen
Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.
Stärkster Rückgang in Friedrichshain, Wedding bleibt Letzter
Innerhalb des Stadtgebietes ist eine große Spreizung der Überschuldungsrisiken zu beobachten. Unter
den Berliner Stadtbezirken verzeichnet Friedrichshain den stärksten Rückgang der Schuldnerquote.
11,28 Prozent der Bewohner über 18 Jahre gelten als überschuldet, im Vorjahr waren es noch 12,07
Prozent. Negativer Spitzenreiter unter den Berliner Bezirken bleibt Wedding, auch wenn sich die Schuldnerquote um 0,47 Prozentpunkte auf 20,13 Prozent verringerte. Am geringsten ist die Überschuldung
von privaten Verbrauchern im Stadtbezirk Zehlendorf. 6,89 Prozent (2010: 7,13 Prozent) der Erwachsenen sind überschuldet. Auf den zweiten Platz verbessert sich 2011 Köpenick. Die Schuldnerquote
im Stadtbezirk verringerte sich um 0,38 Prozentpunkte auf 8,40 Prozent. Auf dem dritten Rang im
positiven Sinne liegt Steglitz (Schuldnerquote: 8,54 Prozent, minus 0,17 Prozentpunkte).
In zwei Berliner Stadtbezirken, Hellersdorf (+0,06 Prozentpunkte auf 15,28 Prozent) und Spandau
(+0,04 Prozentpunkte auf 13,58 Prozent), hat sich die Schuldnerquote im Vergleich zum Vorjahr
erhöht. Der Osten Berlins (11,87 Prozent) weist geringere Schuldnerquoten auf als der Westteil
(12,61 Prozent).
Überschuldungstrends bei abkühlender Konjunktur
Die Zahl der überschuldeten Berliner liegt derzeit um fast 73.400 niedriger als im Jahr 2007 (minus
16,8 Prozent). Dabei ist eine Entspannung vornehmlich bei Personen mit so genannten weichen
Überschuldungsfaktoren festzustellen, deren Überschuldungssituation noch nicht aussichtslos ist, die
aber bereits nachhaltige Zahlungsstörungen aufweisen. Gleichzeitig hat sich eine konjunkturunabhängige Sockelüberschuldung von Personen mit zahlreichen gerichtlichen Negativmerkmalen (wie
z. B. eine eidesstattliche Versicherung oder eine Privatinsolvenz) herausgebildet. So hat sich die Zahl
der Betroffenen gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent auf knapp 217.000 weiter erhöht, während
die Zahl der Personen mit weichen Überschuldungsmerkmalen um 9,0 Prozent auf rund 146.400 zurückging. Von den guten Arbeitsmarktbedingungen der letzten zwölf Monate konnten demnach
vornehmlich Schuldner aus letzterer Gruppe profitieren.
Für das kommende Jahr ist weiterhin mit günstigen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und gleichzeitig mit einer Verbesserung der Einkommenssituation der Verbraucher zu rechnen. Zudem sind
aufgrund der "Inflation der Krisen" bei den Verbrauchern eine zunehmende Sensibilisierung und
Ausgabenvorsicht festzustellen. Allerdings mehren sich hierzulande auch die Überschuldungsrisiken.
Neben einer sich abzeichnenden konjunkturellen Eintrübung dürften der Anstieg atypischer Beschäftigungsverhältnisse und die im Wirtschaftsaufschwung eingegangenen finanziellen Verpflichtungen die
Überschuldungsproblematik der Verbraucher in den kommenden zwei Jahren belasten. So ist davon
auszugehen, dass sich die bestehende Sockelüberschuldung weiter verfestigen wird. Eine deutliche
Rückführung der Zahl der überschuldeten Verbraucher ist vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten.
Jeder elfte Brandenburger überschuldet – deutlicher Rückgang gegenüber 2010
Brandenburg, 22. November 2011 – Zum Stichtag 1. Oktober 2011 waren rund 204.000 Brandenburger Bürger über 18 Jahre überschuldet. Das entspricht 9,36 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (2010: 9,59 Prozent). Nach dem diesjährigen Creditreform SchuldnerAtlas, dessen Ergebnisse
jetzt auch für das Land Brandenburg vorliegen, hat sich die Zahl der überschuldeten Privatpersonen
gegenüber 2010 um 2,8 Prozent (rund 6.000 Personen) verringert und damit stärker als in Deutschland (minus 1,2 Prozent).
Bundesweit sind 9,38 Prozent der Personen über 18 Jahre überschuldet, nachdem die Schuldnerquote 2010 noch bei 9,50 Prozent lag. Im Ranking der 16 Bundesländer liegt Brandenburg auf dem
fünften Rang.
Positiv auf die Verschuldungssituation der Verbraucher hat sich die gute Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung der letzten zwölf Monate ausgewirkt. Durch die Aufnahme einer Erwerbsarbeit konnten
überschuldete Personen ihrem Schuldendienst wieder nachkommen und Verbindlichkeiten abbauen.
Der Creditreform SchuldnerAtlas zeigt, wie sich die Überschuldung privater Verbraucher innerhalb
Deutschlands kleinräumig verteilt. Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz: Die zu leistenden monatlichen
Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.
Brandenburg/Havel bleibt Letzter – Potsdams Einwohner mit geringer Überschuldung
Unter den Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs verzeichnet Brandenburg an der Havel
den stärksten Rückgang der Schuldnerquote. 14,39 Prozent der Bewohner über 18 Jahre gelten als
überschuldet, im Vorjahr waren es noch 14,99 Prozent. Die Stadt bleibt aber negativer Spitzenreiter
unter den Brandenburger Landkreisen und kreisfreien Städten, auch wenn sich die Schuldnerquote
um 0,60 Prozentpunkte verringerte. Am geringsten ist die Überschuldung von privaten Verbrauchern
im Landkreis Potsdam-Mittelmark. 7,51 Prozent (2010: 7,76 Prozent) der Erwachsenen sind hier
überschuldet. Auf dem zweiten Platz liegt der Landkreis Elbe-Elster (Schuldnerquote: 8,11 Prozent;
minus 0,08 Prozentpunkte). Auf dem dritten Rang im positiven Sinne verbesserte sich der Landkreis
Spree-Neiße (Schuldnerquote: 8,27 Prozent, minus 0,19 Prozentpunkte).
Außer Oberspreewald-Lausitz zeigen alle Landkreise und kreisfreien Städte im Land Brandenburg
eine Entspannung der privaten Überschuldung im Vergleich zu 2010. In drei der vier kreisfreien Städte
des Landes (Brandenburg an der Havel, Frankfurt/O. und Cottbus) ist die Schuldnerbetroffenheit
weiterhin überdurchschnittlich hoch. Allerdings verringerte sich die Schuldnerquote in Frankfurt/O.
um 0,35 Prozentpunkte auf 12,24 Prozent und in Cottbus um 0,26 Prozentpunkte auf 10,49 Prozent. Potsdam weist mit 9,08 Prozent (minus 0,11 Prozentpunkte gegenüber 2010) eine eher geringe
Schuldnerquote auf. Die Spreizung der Schuldnerquoten innerhalb des Stadtgebietes reicht allerdings
von 5,83 bis 12,60 Prozent. Am größten ist die Spanne in Cottbus (5,81 bis 26,11 Prozent).
Überschuldungstrends bei abkühlender Konjunktur
Die Zahl der überschuldeten Brandenburger liegt derzeit um fast 53.000 niedriger als im Jahr 2007
(minus 20,6 Prozent). Dabei ist eine Entspannung vornehmlich bei Personen mit so genannten weichen Überschuldungsfaktoren festzustellen, deren Überschuldungssituation noch nicht aussichtslos ist,
die aber bereits nachhaltige Zahlungsstörungen aufweisen. Gleichzeitig hat sich eine konjunkturunabhängige Sockelüberschuldung von Personen mit zahlreichen gerichtlichen Negativmerkmalen (wie
z. B. eine eidesstattliche Versicherung oder eine Privatinsolvenz) herausgebildet. So hat sich die Zahl
der Betroffenen gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent auf knapp 122.600 weiter erhöht, während
die Zahl der Personen mit weichen Überschuldungsmerkmalen um 10,0 Prozent auf rund 81.300
zurückging. Von den guten Arbeitsmarktbedingungen der letzten zwölf Monate konnten demnach
vornehmlich Schuldner aus letzterer Gruppe profitieren.
Für das kommende Jahr ist weiterhin mit günstigen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und gleichzeitig
mit einer Verbesserung der Einkommenssituation der Verbraucher zu rechnen. Zudem sind aufgrund
der "Inflation der Krisen" bei den Verbrauchern eine zunehmende Sensibilisierung und Ausgabenvorsicht festzustellen. Allerdings mehren sich hierzulande auch die Überschuldungsrisiken. Neben einer
sich abzeichnenden konjunkturellen Eintrübung dürften der Anstieg atypischer Beschäftigungsverhältnisse und die im Wirtschaftsaufschwung eingegangenen finanziellen Verpflichtungen die Überschuldungsproblematik der Verbraucher in den kommenden zwei Jahren belasten. So ist davon auszugehen,
dass sich die bestehende Sockelüberschuldung weiter verfestigen wird. Eine deutliche Rückführung
der Zahl der überschuldeten Verbraucher ist vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten.
Überschuldung liegt vor, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Oder kurz:
Die zu leistenden monatlichen Gesamtausgaben übersteigen die Einnahmen.